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Zu viele Siegergene! 5. Mannschaft verschenkt den möglichen und verdienten Sieg!

Bulli muss nachsitzen ...

 

Wenn das nicht eine einmalige Gelegenheit war! Als völliger Underdog trat unsere Mannschaft in der Klasse 3.2 am Sonntag bei den Schachfreunden an, deren 8. Mannschaft laut Liga-Orakel als Aufstiegskandidat gilt. Die Anreise verlief wie am Schnürchen. Unsere Jugendlichen – Dennis und unseren „Erstsemester“ Ingmar möchte ich da hinzuzählen – waren mit dem Auto minutengenau eingesammelt und überpünktlich waren wir am Spielort. Dr. Vahrenholt – nein er ist jetzt einfach Volker - , Bulli und selbst unser Altmeister Raimund waren pünktlich vor Ort!

 

Das waren schon einmal die Grundvoraussetzungen. Helmut als Mannschaftsführer der 4. hatte sich dankenswerter Weise nicht bei uns personell bedient und das war ebenso wichtig und soll unbedingt so bleiben, damit wir uns stabilisieren und eine Chance haben, die Klasse zu halten!

 

Im Schnitt lagen wir über 200 DWZ-Punkte zurück gegenüber den Gegnern, lediglich Bulli mit -70 DWZ spielte halbwegs auf Augenhöhe.

 

Doch an der Spielweise war ein Respekt kaum abzulesen. Nach 30 Minuten hatte – glaube ich – keiner von uns auch nur 10 Minuten verbraucht. Raimund spielte, als hätte er eine Verabredung zum 2. Frühstück. Muss ich jetzt auch noch meinen ältesten* Spieler anhalten, ruhig und überlegt zu spielen!!?? *jedenfalls, bitte Erhard in vier bis Wochen wieder eingreifen will!!

 

Nein! Raimund wusste ganz genau was er tat! Ingmar und ich hatten die Partie bis zum 12. Zug schon einmal ganz genauso auf dem Brett. Ingmar hatte sogar genau diese Eröffnung mit Atila am Donnerstag mit schwarz zuvor genau vorbereitet: Alle seine Bauern standen nun auf weißen Feldern. Sein Gegner tat es ihm aber fast ganz gleich, hier stand alles auf schwarz. War das auch noch ganz Theorie, Ingmar? Oder war es ein Strickmuster  - der nächste Winter kommt bestimmt? Nein, es war "Stonewall" und

nicht "Stonewashed" - alles also ganz textilfrei und noch ganz Atilas Vorbereitung.

 

Bei Bulli und Volker sah ich noch nichts entscheidendes, Dennis hatte eine sehr offene Stellung, Lukas begann eine schöne Batterie auf einer offenen zentralen Linie aufzubauen (war das schon ein Vorteil?). Nur Levin – gegen einen Gegner mit 700 Punkten DWZ mehr) stand bereits sehr unangenehm: Obwohl mit weiß, war Levin nicht zur Rochade gekommen und der noch zentrale König wurde bereits auf einer offenen Linie so sehr bedrängt, dass Figurenverlust drohte. Hatte Levin mehrfach nicht gezogen?

 

Jetzt war ich mit mir selbst beschäftigt. Ich hatte mir einen Isolanibauern eingehandelt, doch beide Springer auf der 3. Reihe hielten ihn gedeckt, die Türme auf den offenen Linien rechts und links vom isolierten Bauern bekamen Lust mitzuspielen, aber die Angst spielte auch mit, ob ein Turm mitten aufs Spielfeld gehört? Also raus mit ihm auf die 5. Reihe. Deshalb höchste Konzentration und mein Zeitpolster schmolz und nach 20 Zügen hatte ich über 90 Minuten überlegt.

 

Jetzt gings schnell: Raimund verabschiedete sich von mir. Wie? Was? Fertig? Er hatte einen unabwendbaren Angriff auf dem Königsflügel: Dame auf h6 Springer auf h5, der gegnerische g-Bauer war nach gf bereits aus der Verteidigung. Matt auf g7 war zwingend. 1:0

 

Leider ging es bei Levin recht schnell zum Ende: Er musste seine Dame gegen einen Turm geben und er stand offen wie ein Scheunentor. Dennis hörte ich Remis bieten, doch sein Gegner hatte jetzt kein Ohr mehr dafür: Dennis hatte einen schönen Angriff gestartet, lag zwar 2 Bauern zurück, aber erlangte jetzt Dauerschach. Gabs da mehr? Dennis war überzeugt: Ja! Also munter weitergespielt. Doch ein Matt war da vielleicht doch nicht oder hatte es Dennis nur nicht gefunden? Zu viele Siegergene bei Dennis! Beim nächsten Spiel darf es auch mal nur ein Remis sein! Und wie bitter dieser verschenkte halbe Punkt sein würde … Aber Dennis, du hast alles richtig gemacht und wer nicht wagt …

 

Jetzt ging es schnell: Kurz nacheinander gewann Lukas, Volker musste leider aufgeben und Ingmar hatte eine Mehrfigur – ich glaube, sein Gegner machte einen gröberen Fehler, den Ingmar sofort ausnutzte. Trotzdem war die letzte verbliebene Leichtfigur, der Läufer, zunächst nicht so effektiv, dann aber ausreichend, um ein Loch in die Bauernkette zu sprengen und mit einem Bauern übrigzubleiben, der zur Dame marschierte: 3:3

 

Nach einer wilden Abtauschorgie – 10 Züge – zehn geschlagene Figuren, blieb ich Gott sei Dank mit 2 Mehrbauern. Das reichte, nachdem ich die Türme abtauschen konnte. 4:3

 

Wo ist Behle? Ich meine: Wie steht Bulli? Bulli lag einen Bauern zurück und es sah nicht gut aus. Aber für die Mannschaft!! Bulli, gib alles!! Und Bulli gab alles. Mit Miguel aus der dritten saß er nach. Aber am Ende reichte es nicht. Danke, Bulli trotzdem!! 4:4

 

Ob sich dieses Ergebnis in 14 Tagen bestätigen lässt? Das Selbstvertrauen ist gestiegen, aber der Respekt der Gegner auch und unterschätzt werden wir jetzt wohl nicht mehr!

 

Egal, wie es demnächst ausgeht: Eine Mannschaft gewinnt gemeinsam und verliert gemeinsam!

 

Bernd Helling