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Mal schauen, ob die chinesische Zensurbehörde wieder zuschlägt:

17, 16, 15 … ELO-Blitzturnier bei SW Lichtenrade - Turnierbericht von Christopher Sell

Die Turnierszene in Berlin ist hart umkämpft. Nahezu jeden Tag findet irgendwo in dieser Stadt ein Schachturnier statt. Um aus der Masse heraus zu stechen bedarf eines Alleinstellungsmerkmals („USP“). Die FIDE wertet seit Kurzem nicht nur Partien bzw. Turniere mit langer Bedenkzeit aus, sondern hat auch eine Blitz- und Schnellschach-ELO-Zahl eingeführt. Für uns Berliner ist das nichts Neues. Vor vielen Jahren hatten wir in Berlin dank Frank Hoppe ebenfalls Blitzwertungszahlen.

Der Schachverein SW Lichtenrade ist nun auf die Idee gekommen, ihre Blitz- und Schnellschachturniere am Vereinsabend ELO auszuwerten. Am vergangenen Montag war der Auftakt mit einem Blitzturnier, zu dem sich trotz Sommerpause 25 Spieler in Lichtenrade einfanden – so auch der Berichterstatter, der seinen Erfolgstrainer und Edelkiebitz Helmut Flöel zur Anwesenheit (aber nicht Teilnahme) vor Ort überreden konnte. Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt. An der Spitze der Setzliste befanden sich die Ex-Zehlendorfer Steve Berger (der aktuell eine sehenswerte „Eröffnungsrezepte“-Reihe für Chessbase präsentiert), Dirk Paulsen (SKZ-Open Sieger 2017) und Jürgen Brustkern (SKZ-Open Sieger 2016). Der Präsident des Berliner Schachverbandes Carsten Schmidt machte sich ebenfalls Hoffnung auf einen Platz auf dem Treppchen. Gemäß der Ausschreibung wurden bei dieser Teilnehmerzahl 17 Runden im Schweizer System gespielt, was einige Spieler bereits vor Turnierbeginn als zu viele Partien empfanden. Pro Partie hatte man 3 Minuten plus 2 Sekunden Bonus pro Zug Bedenkzeit. Es war somit Kondition gefragt. Die Turnierorganisation des gastgebenden Vereins rund um Fabian Gallien war tadellos und verdient ein großes Kompliment.

Das Rennen an der Spitze war im Prinzip nach den Runden 4-6 entschieden, denn dort spielten die Topleute gegeneinander. Danach stellte sich dann nur noch die Frage, wer unvorhergesehen den einen oder anderen Punkt liegen lassen würde. Bei 17 Runden im Schweizer System gab es dann in der zweiten Turnierhälfte die kuriose Situation, dass der Berichterstatter in der einen Runde an Brett 11 einen Sieg einfuhr, um dann in der nächsten Runde gleich an Brett 2 gegen einen Spitzenspieler spielen zu müssen. Nach der zu erwartenden Niederlage ging es dann wieder zurück an die hinteren Bretter.

Die Frage, ob weniger Runden besser gewesen wären oder ob man gänzlich einen anderen Modus wählen müsste (Vorrunde-Finalrunde), ist schwer zu beantworten. Immerhin kam bei 17 Partien fast jeder Spieler in den Genuß, gegen die Topspieler an den vorderen Brettern spielen zu können und gleichzeitig genug Partien für eine ELO-Auswertung zu „sammeln“.

Der Berichterstatter hatte zwei Herausforderungen zu meistern: Runde für Runde versuchte er sich am Sieg des Geistes über die Materie (Schachfiguren) und musste zusätzlich den hohen Anforderungen von Helmut gerecht werden. Und das auch noch ganze 17 Runden lang. Dies konnte nicht gut gehen. Trotz wertvoller Tipps („Wenn Du eine Minute mehr als der Gegners hast, mach einfach irgendwelche Züge.“), Ermahnungen („Du denkst zu viel.“) und aufbauender Worte („Was spielst Du für einen Schrott.“) seines Trainers lag er zwischenzeitlich bei unter 50 %. Nachdem Helmut die Örtlichkeit verließ, konnte der Berichterstatter aber einen Zwischenspurt starten und sich in das Tabellenmittelfeld bewegen.

Wenn das Helmut gesehen hätte. Es wechselten sich herbe Niederlagen gegen die Spitzenspieler (Carsten Schmidt antwortete gegen den Berichterstatter auf dessen 1. d4 mit 1…e5 und stand 3 [!] Züge später auf Gewinn) und Siege gegen schwächere Gegner ab. Durch einen Sieg in der Schlussrunde konnte der Berichterstatter 8,5 Punkte erreichen. Er verpasste hauchdünn den Ratingpreis in der Kategorie unter 1650, den sich Bernhard Riess dank besserer Zweitwertung (Stärke der Gegner) sicherte.

Den Turniersieg holte Steve Berger vor Dirk Paulsen. Carsten Schmidt konnte Jürgen Brustkern knapp vom Treppchen verdrängen. Erschöpft von 17 ausgekämpften Partien trat der Berichterstatter um kurz vor 23:00 Uhr die Heimreise an. Es war ein sehr gelungenes Turnier. Weiter geht es am 27.11.2017 mit einem Schnellschachturnier. Bis dahin hat Trainer Helmut noch viel Arbeit vor sich.

PS: Originalbericht unseres Spielleiters Christopher, den ich dieses Mal "unbesehen" veröffentliche.
... und ich bin natürlich Stolz darauf, dass Christopher meine konstruktive Kritik (siehe oben) in der 2. Turnierhälfte in Punkte umgewandelt hat.

Helmut Flöel