Sie sind hier

Ist eine gute Schachpartie so gut wie ein gutes Gespräch ...

Wenn ja, dann hätten wir in unserem Verein viele gut gelaunte Mitglieder.

Ein Team um Matthias Mehl von der University of Arizona hat in einer Studie festgestellt, dass jemand, der im Tagesverlauf häufig gute Gespräche führt, insgesamt glücklicher ist als jemand, der nur oberflächlichen Smalltalk macht.

Also - lasst uns auch im Klub ein wenig auf die Qualität der Aussagen achten. Dazu gehört, dass die meinung eines anderen wahrgenommen und entsprechend beachtet wird. Dazu gehört aber auch, dass  Fehler angesprochen und erklärt werden. Es ist wenig hilfreich jemanden nach einer verlorenen Partie noch den endgültigen KO-Schlag zu verpassen. Dabei muss ich mich ohne Zweifel auch an "die eigene Nase" fassen.

Unter Schachspielern herrscht manchmal - besonders bei Blitzpartien - ein heftiger Umgangston und das wird auch nicht dadurch besser, dass es früher noch viel ruppiger war. Trotzdem - wer einmal mit seinem Kind auf dem Fußball- oder Tennisplatz war, wird die "Schonatmosphäre" beim Schach zu schätzen wissen.

Vor wenigen Tagen bekam ich mit, wie eine erwachsene Schachspielerin von ihrem Trainer nach einer Niederlage total fertig gemacht wurde. Die eigentlich selbstbewusste Frau war klein wie ein Mäuschen und ich dachte, was macht der alte Esel mit dieser Spielerin. Später erfuhr ich, dass der Trainier keineswegs ein "Ahnungsloser" war und was er in der Analyse sagte, hatte durchaus Format.

... und trotzdem, ich wurde zurückerinnert an meine Offiziere bei der Bundeswehr. Diese hatten auch solch einen Tonfall bei mir versucht ...

Niemanden von uns wünsche ich das schwierige Schicksal eines Schachprofis. Wir wollen erfolgreiche Spieler - aber das mit einer glänzenden beruflichen Perspektive. Deshalb werde ich niemals zulassen, dass jemand die Schule oder Uni vernachlässigt, um ein paar Elo-Punkte mehr zu haben.

Schach ist ein wunderbares Spiel, und nicht nur ein Spiel, sondern auch Kunst, Wissenschaft und Sport, aber es ist nur für sehr wenige eine "Lebensaufgabe".

Helmut Flöel