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Eine Zehlendorfer Spreewaldexpedition oder Wer ist die beste „Gurkentruppe“ im Dahmeland?

Schnellturnier Mannschaft Lübbenau 2018

Ein Sonderbericht von FM Jürgen Brustkern:

 

1) Prolog

Zur Stärkung des “Teamspirit“ für die kommende schwierige Landesligasaison beschloss Neumitglied Jürgen Brustkern eine Fahrt zum traditionellen Mannschaftsturnier nach Lübbenau zu organisieren. Nach vielen Absagen konnte mit IM Atila Figura (1.Mannschaft), FM Brustkern, Truong-Son Nguyen und dem nach langer Krankheit wiedererstarkten Dr. Rüdiger Merz (3. Team) ein guter Zehlendorfer Querschnitt für das 15 Minuten Rapidturnier gewonnen werden.

Nach den heißen Temperaturen der Vorwochen war der Wettergott mit 17 Grad und Sonne sehr schachfreundlich gestimmt. Die neunzehnte Ausgabe des sogenannten “Spreewaldpokals“ ist in der Berliner Schachszene vor allem durch die besonderen Sachpreise - Gurkenwässer -  bekannt geworden und wird von vielen als “Gurkenturnier“ bezeichnet. Mein Eindruck ist, dass es ähnlich wie in Hoyerswerda ein Treffpunkt der Ostdeutschen Schachgemeinde ist, denn unser Team stellte neben der „Weiße Dame“ die einzige westdeutsche Beteiligung dar. Anders als in Hoyerswerda wird das Kollektiv mit Preisen fast überschüttet und statt Brettpreisen gibt es bis zu 15 Mannschaftspreise! Die liebevolle Detailarbeit des “SSG Lübbenau“ zeigt sich z. B. in der Ehrung der Teilnehmer (80 bzw. 90 Partien) die zu Anfang des Turniers nach jeder dritten Runden mit Sektpreisen geehrt wurden. Die Teams die zum ersten Mal mitspielen, werden mit einem schönen Buch über die Geschichte Lübbenaus belohnt. Der Berichterstatter nahm gerne aus den Händen von Sascha Sarre (Lübbenau, früher TSV Mariendorf) dieses geschmackvolle Werk entgegen.

 

2) Turnierverlauf

Der SK Zehlendorf war nach DWZ hinter dem Oberligateam  Pn. Fürstenwalde an Nummer zwei der Setzliste gesetzt und wir konnten  - und wollten - gerne die Verpflichtung des Favoriten erfüllen und um den Sieg mitspielen.

Bis zur Halbzeit des Events lief es auch ganz wunderbar und wir gingen mit einem 100%-Ergebnis in die Mittagspause. Nach dem Essen mussten wir im Spitzenspiel gegen die erfahrenen Fürstenwalder zeigen, ob die hohen Ambitionen gerechtfertigt sind. Nach umkämpfter Schlacht  kam es zu einem leistungsgerechten 2:2 , wobei unser “Cheftrainer“  Atila seinen Angstgegner FM Rainer Kleeschätzky erstmalig bezwingen konnte und der faire FM Höckendorf beim Stande von 1,5:1,5 trotz großem Zeitvorteil die Remisstellung gegen Son nicht “ausblitzte“,  sondern selbst die Punkteteilung anbot. Diese Episode zeigt, in welchem  Sinne sich Schachfreunde Jahr für Jahr in Lübbenau treffen.

  „Obwohl es um Geldpreise und Pokale geht, sollte jeder Schachfreund gute Laune mitbringen!“

heißt es entsprechend versöhnlich in der Ausschreibung.

In den nächsten drei Runden zeigten wir jedoch Konditionsschwächen: Der unter Cola-Entzug stehende Atila versuchte jede Stellung zu gewinnen und rochierte wie der übermüdete  Son (in der Nacht vorher musste er seine Familie unplanmäßig um 3.00 Uhr abholen ...) lang und produzierte somit synchron drei Punktverluste. Die klare Klatsche gegen den späteren Sieger und Gastgeber Lübbenau I fiel mit 0,5 : 3,5 deutlich aus, so war der knappe Verlust gegen „Weiße Dame , 1,5 : 2,5,   ein enges Ding,  wonach das anschließende  2 : 2 gegen die Cottbuser die Beerdigung unserer Siegeshoffnungen bedeutete. Im letzten Kampf holte der nach langer Krankheit wiedererstarkte Rüdiger einen  wertvollen “Bigpoint“, indem er seinen Gegner wie eine “Lokomotive“ (so der Beiname des RAW Cottbuser) überfuhr! Nach dem souveränen Sieg in der Schlussrunde gegen die gemischte “Gurkentruppe“ - kein Witz - fanden wir uns vorerst damit ab, nur einen “gurkigen“ Sachpreis gewonnen zu haben.

Eine geplante Punktladung schaffte die „Weiße Dame“ (11-7 MM-Punkte) und gewann mit dem 7. Platz tatsächlich zum vierten Mal in Folge(!)ein für die Weihnachtsfeier vorgesehenes Gurkenfass! Der Kampf um die Spitze hätte spannender nicht sein können: Das Team des Gastgeber ging mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung vor Fürstenwalde in die Schlussrunde. Beide Spitzenreiter verloren jedoch  ihre Matches - L gegen die“ Lausitzer Schachzwerge“ und F. gegen das Uni-Team aus Frankfurt -, so dass die Lübbenauer ihren Vorsprung knapp ins Ziel retten konnten.

Auf den Bronzeplatz platzierten sich mit 12 Punkten gleich vier Teams und … die Freude war riesengroß als der SK Zehlendorf als Dritter Sieger aufgerufen wurde!  Somit gewannen wir nicht nur den letzten Geldpreis, sondern auch einen eleganten goldenen Pokal. Atila war mit seinem Ergebnis 6/9 nicht ganz zufrieden, Son fand seine 50% „ganz okay“ und Rüdiger war nach seiner  langen Turnierpause  mit den 6 Punkten zufrieden. Sehr zufrieden war ihr Berichterstatter, der mit 8/9 (zwei Remisen) zusammen mit Roman Matzkowiak (TSV Mariendorf) das beste Ergebnis aller Teilnehmer erzielte! Der Sieg gegen Weiße-Dame-Urgestein Dr. Ingo Abraham gefiel dem “langen Brüter“ besonders gut und war seine geglückte Revanche für die Niederlage in der „Schlacht von Dennewitz“.

 

3) Fazit

Schon während der Runden waren wir uns einig, dass dieses Turnier eine wunderbare Vorbereitung für die Saison darstellt. Nach Rücksprache mit dem Organisationsteam soll der Spielleiter  des SK Zehlendorf in Zukunft rechtzeitig eine Einladung erhalten, so dass im nächsten Jahr bei der Jubiläumsausgabe hoffentlich zwei Zehlendorfer Mannschaften  an den Start gehen können. Dieses Turnier ist wärmstens zu empfehlen und allemal eine Reise wert ( 80 Km von  Berlin entfernt).

Zur Turnierwebsite

Verfasser des Berichts und Kommentator der Partie: FM Jürgen Brustkern

Foto von Christian Greiser (Weisse Dame)

[Event "XIX. Lübbenau MM"]
[Site "?"]
[Date "2018.09.22"]
[Round "5"]
[White "Brustkern, J."]
[Black "Abraham, Ingo"]
[Result "1-0"]
[ECO "A13"]
[WhiteElo "2203"]
[BlackElo "2200"]
[Annotator "g4 Idee"]
[PlyCount "59"]
[SourceDate "2012.05.03"]
[SourceVersionDate "2012.05.03"]

1. c4 (1. Nf3 Nf6 2. c4 c6 3. e3 d5 4. Qc2 e6 5. b3 Be7 6. Bb2 O-O 7. g4 c5 8.
g5 Ne4 9. h4 Nc6 10. Nc3 Nb4 11. Qb1 b6 12. a3 Nxc3 13. Bxc3 Nc6 14. Bd3 g6 15.
h5 d4 16. hxg6 dxc3 17. gxf7+ Rxf7 18. Bxh7+ Kf8 19. Be4 cxd2+ 20. Nxd2 Rg7 21.
Bxc6 {1-0 (21) Sambuev, B (2496)-Keosidi, K (2219) Tomsk 2003}) 1... e6 2. Nf3 d5
3. e3 Nf6 4. b3 Be7 5. Bb2 O-O 6. Qc2 c5 {[#]} 7. g4 $5 {Gegen den
stocksoliden Doktor wollte ich schnell die Theorie verlassen} Nc6 8. g5 $146 (
8. a3 d4 (8... Nxg4 9. Rg1 f5 10. h3 Nf6 11. cxd5 Qxd5 12. Be2 a6 13. Nc3 Qd6
14. O-O-O b5 15. d4 cxd4 16. Nxd4 Nxd4 17. Rxd4 Qb6 18. Bf3 Bb7 19. Rd7 Bxf3
20. Rxe7 g6 21. e4 Qd6 22. Rb7 Rac8 23. exf5 Bxb7 24. fxg6 Be4 25. gxh7+ Kh8
26. Nxe4 Rxc2+ 27. Kxc2 Qc6+ 28. Kd3 Qxe4+ {0-1 (28) Depyl, P (2213)
-Cathelineau, D (2161) France 2007}) 9. g5 Nh5 10. Bd3 g6 11. Rg1 e5 12. Be4 Qc7
13. d3 a5 14. Nbd2 a4 15. Bxc6 axb3 16. Qxb3 bxc6 17. Qc2 Bf5 18. Nf1 f6 19.
Ng3 Bg4 20. Nd2 Nxg3 21. Rxg3 Bh5 22. Kf1 fxg5 23. Kg1 Rf5 24. a4 Raf8 25. Rg2
Qa5 26. Nb3 Qa7 27. Nd2 Ra8 28. a5 Rff8 29. Bc1 Qc7 30. Qa2 Be2 {0-1 (34) Tran, 
T (2249)-Nguyen, D (2453) Can Tho 2012}) 8... Ne4 (8... Nb4 9. Qc1) 9. h4 Nb4
10. Qc1 d4 $5 (10... dxc4 11. Qxc4 f5 $17) 11. exd4 cxd4 12. a3 Nc6 13. b4 (13.
Qc2 $142 Nd6 14. Nxd4 Nxd4 15. Bxd4 Nf5 16. Be3 Nd4 $44) 13... e5 14. d3 Nd6
15. b5 Na5 16. Qd1 Bf5 (16... f6 $142) 17. Nbd2 Re8 18. Be2 Bf8 19. Kf1 {[#]}
e4 20. Nxd4 exd3 21. Bf3 Bd7 (21... Naxc4 22. Nxc4 Nxc4 23. Nxf5 Nxb2 24. Qb3)
22. Rc1 Rc8 23. Qa4 g6 24. c5 Nf5 25. c6 bxc6 26. Nxc6 Nxc6 27. bxc6 Be6 28.
Qxa7 Ra8 29. Qb7 Rb8 $4 (29... Rc8 30. c7) 30. c7 $18 {Meine beste Partie in
Lübbenau! 1 : 0

Im Gegensatz zu dem vortäglichen Lasker Rapid (der 4. Platz brachte
mir mit 56 P. gegenüber Carls 39 P. die Gesamtführung ...) war ich bei diesem
schön organisierten Mannschaftsrapid besser drauf und erzielte mit 8/9 das mit Abstand
beste Ergebniss. Der 3. Platz im Mannschaftswettbewerb war dann der Lohn meiner "Vorarbeit". Die
Einzelergebnisse: Atila (6(9), Son (4, 5), Rüdiger (gute 6/9). 
Helmut Flöel