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Dorothee Schulze oder das Klingeln meines Handys

Ok, ich hatte es versprochen: bis zur ersten Niederlage spiele ich in einer wichtigen Partie einmal im Jahr für den MTV Dannenberg. Mein Freund Hans Berger hatte mir dieses Versprechen abgenommen. 2004: Wettkampf Dannenberg I : Uelzen II Ich war ziemlich fertig - die ganze Nacht Doppelkopf gespielt und Wein getrunken - einfach perfekt für eine Schachpartie. Oh nein, ausgerechnet gegen ein junges Mädchen - noch nie hatte ich gegen eine Frau verloren. Na gut, ich hatte Glück, Sizilianisch mit Schwarz - das gewann ich früher eigentlich immer. Nach einer Stunde: ein Klingelgeräusch - ich "guckte" interessiert. Nach einer Weile merkte ich, dass das Geräusch aus meiner Jacke (hing lässig über dem Stuhl) kam. Ich griff in die Jacke, gab meiner Gegnerin das Handy und bat sie, es aus zu machen. Ich hatte keine Ahnung, wie dies ging, denn meine Frau hatte "ihr" Handy in meine Jacke gesteckt. Plötzlich - große Aufregung im Raum - denn mein Freund Hans erklärte mir, Handyklingeln führt seit einigen Monaten zum Verlust der Partie, wenn der Gegner reklamiert. Ich hatte keine Ahnung, weil ich seit ca. 20 Jahren nicht mehr aktiv gespielt hatte. Dorothee verzichtete auf die Reklamation, obwohl ich ihr dies empfahl, da ich zugesagt hatte, für Dannenberg bis zu meiner ersten Niederlage zu spielen. Dorothee glaubte, diesen Handy-Ahnungslosen auch so zu schlagen (meine Interpretation). Ich gewann mit einem doppelten Turmopfer (meine Erinnerung - muss keineswegs stimmen) und Dannenberg siegte gegen den Spitzenreiter 4,5 : 3,5. Dorothee wurde von ihren Mannschaftskollegen wegen Ihrer Fairniss kritisiert und brach in heftige Tränen aus. Ich sagte ihr, du wirst später lachend daran denken. Ich war jedenfalls stolz darauf, als ich Jahre später las, dass Dorothee die jüngste Kreistagsabgeordnete der Grünen in Niedersachsen wurde.
Helmut Flöel