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Benimmregeln ...

Unser Schachfreund FM Jürgen Brustkern hat uns auf einen interessanten Versuch hingewiesen. Zitadelle Spandau hat einen Katalog mit Benimmregeln entwickelt und plant, diese Regeln im Vereinsheim gut sichtbar aufzuhängen.

Benimmregeln

Besonders mit Regel Nr. 4 kann ich mich gut anfreunden, denn mich nervt es auch, wenn ich lange auf Anfrage-E-Mails warten muss.

... und trotzdem - Erziehung ist ein langwieriger und komplizierter Prozess. Wenn es so einfach wäre, die Regeln aufzuhängen oder Geldstrafen bei einem Verstoß einzuführen und zu erwarten, dass jetzt alles besser wird: Ich wäre dafür!

Während der Tanzstundenzeiten oder meiner Ausbildung bei Siemens habe ich viele gute Regeln gelernt. Sehr geholfen hat mir z. B., dass ich mit einem Trick, mir auf die Zunge zu beißen, das Gähnen unterdrücken kann, wenn mich mein Gegenüber langweilt.

Ich glaube, dass Zitadelle daran arbeiten will, dass ihre Mannschaften nicht so viele unbesetzte Bretter haben und damit Punkte und Geld verschenken. Wir hatten früher auch sehr stark damit zu kämpfen.

Vergleich von unbesetzten Brettern in den ersten sechs Runden dieser Saison:

1. - 4. Mannschaft Zitadelle Spandau: 16 Bretter nicht besetzt

1. - 4. Mannschaft SK Zehlendorf: 0 Bretter nicht besetzt

Natürlich hat Spandau keine teure Bundesligamannschaft und kann sich deshalb die Ordnungsgelder locker leisten. Auch auf die Mannschaftserfolge hat es nur geringen Einfluss, denn die sympathischen Spandauer gewinnen meist auch mit weniger Spielern.

Also - keine Frage, Spandau braucht offensichtlich die Regeln, wir eher nicht, weil wir an den Problemen schon einige Jahre gearbeitet haben.

FM Jürgen Brustkern verfolgt aber noch ein anderes Problem. Er hätte gern acht Spieler pro Mannschaft, die zuverlässig gemeinsam spielen und nur notfalls auf einen Ersatzspieler zurückgreifen müssen. Dabei sollen die besten Acht spielen und sich nach Möglichkeit auch gemeinsam auf den Gegner vorbereiten.

Wenn wir nur den Erfolg betrachten, dann ist dieses Konzept sicherlich sehr vielversprechend. Wir betreiben aber Leistungssport (1. Mannschaft) und Breitensport (2. - 5. Mannschaft). Das heißt nicht, dass die Spieler der unteren Mannschaften keine Leistung zeigen, sondern es kommt auf den Fokus an.

Unsere Mannschaften sind breit aufgestellt und nach Möglichkeit sollen alle Spieler angemessen zum Zuge kommen. So verzichte ich zum Beispiel in der Regel auf einen Wettkampf, wenn ein Kind oder Jugendlicher spielen kann. Auch Spieler, die einmal ein schwächeres Ergebnis aufzuweisen haben, gehören zum Team und werden genau so geachtet wie Mr. 100 %.

Übrigens - so schlecht funktioniert unser System gar nicht, denn im letzten Jahr sind alle ver BMM-Mannschaften aufgestiegen, wovon 2 Mannschaften zur Zeit Tabellenführer sind und unsere Landesligamannschaft immerhin 2. ist (grr ... - hinter Zitadelle Spandau 1).

Also: Schachregeln ja - Benimmregeln erst einmal nicht.

An die Fairplay-Regeln halten wir uns ohnehin.

 

Helmut Flöel