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5 : 3-Sieg: SK Zehlendorf 4 - SF NordOst 5

Heute ging es gegen die Schachfreunde Nord-Ost. Auch wenn mit Felix, Anja und Bully an den Brettern 2-4 unsere Stammkräfte wieder am Start waren (die vor zwei Wochen Maxime, Bernd und Ingmar mit 3 aus 3 Punkten allerdings perfekt ersetzt hatten) , hatte ich ein mulmiges Gefühl, aber vielleicht war es mir weniger um die Mannschaft mulmig, als um mich selbst, weil mir die Bürde zufiel, gleichzeitig in der Rolle als Spieler, stellvertretender Mannschaftsführer, Verbands-Schiedsrichter, Vater und rasender Reporter unterwegs zu sein ...

 

Alle 16 SpielerInnen waren um 9.00 Uhr an den Brettern, es konnte pünktlich losgehen. An den unteren 4 Brettern ging es bedächtig zu. Jannis entwickelte sich ruhig, nahm sich viel Zeit und erarbeitete sich einen Mehrbauern, den er im weiteren Verlauf zu einem starken Freibauern ausbaute. Sein Gegner versuchte noch einen zaghaftes Remisangebot, das Jannis mit seiner mittlerweile sehr sonoren Stimme konterte: Wir spielen weiter. Der Freibauer marschierte, ein Feld vor der Verwandlung musste sein Gegner Jannis´solides Spiel anerkennen – bravo!! 1 – 0

 

Ein Brett weiter sah es für Lukas nicht so gut aus. Sein ganz junger Gegner machte einen sehr quirligen Eindruck, schien an jeder Partie interessiert, am wenigsten noch an seiner eigenen, dabei zeigte sich aber, dass er auf bestem Wege war, Lukas eine Bauernschwäche beizubringen und mit aller Macht, dem armen Bauern zu Leibe zu rücken. Lukas wehrte sich, aber irgendwann war der Bauer gefressen. Da stellte Lukas zu allem Übel auch noch einzügig eine Figur ein – das wars leider und Lukas musste die Partie aufgeben. 1 - 1

 

Da hatte Maxime aber bereits seinen Gegner überrollt und zu einem sehr schönen Mattangriff angesetzt. Sein Gegner konnte sich dem nur noch durch Aufgabe entziehen. Meine eigene Partie gestaltete sich zum Glück sehr angenehm für mich. Zwar hatte mir mein Gegner einen Doppelbauern auf der b-Linie beschert, dafür aber die a- und c-Linie geöffnet, die perfekt für meine Türme auf seinen Damenflügel zielten, auf die mein Gegner unglücklicherweise lang rochiert hatte.

 

Bald hatte ich eine Figur gewonnen und bald darauf das Spiel: 3 – 1 an den vier unteren Brettern und damit Zeit, sich unseren Spitzenbrettern zuzuwenden, d. h. an Anja musste ich mich nicht wenden, denn sie wandte sich an mich, ob sie ihrem Gegner Remis anbieten könne. Das schien mir bei ihrer Stellung und mannschaftstaktisch sehr o. k. Doch nur 1-2 Züge später war das nur noch theoretisch, denn scheinbar aus dem nichts hatte sie eine Qualität gegen einen Läufer eingebüßt und die gesamte Stellung brach in sich zusammen. Bully hatte eine Qualität hergeben müssen und dafür Läufer und Bauer als Kompensation. Bully blieb im Endspiel nicht mehr als das Eindringen des gegnerischen Königs auf die vorletzte Reihe zu verhindern. Doch dann fand sein Gegner den Weg, die Qualität auf f2 zurückzugeben und Bullys verbliebene Bauern abzuräumen. Das wollte sich Bully dann nicht mehr antun und gab die Partie auf: 3 – 3

 

Felix hatte derweil einen Springer gegen 2 Bauern. Keine Ahnung, wie ich den Ausgang dieser Partie einschätzen sollte. Matthias hatte sich aber 2 saubere Mehrbauern erkämpft und beide Kontrahenten machten sich daran, mit ihrem verbliebenen Turm die Bauern im Wechsel zu dezimieren. Und wie es nach Adam Riese zu erwarten war, blieben Matthias zwei Bauern, die noch 2 bzw. 3 Felder vor der Verwandlung nur noch den gegnerischen König vor sich, aber den gegnerischen Turm im Nacken hatten, der Matthias´ König permanent beschäftigte. Mittlerweile wurde auf das zweite Formular notiert und ich versuchte im Hinterstübchen nach der Regel zu suchen, nach der ich als Schiedsrichter nach Figurenschieberei ohne jeden Fortschritt die Partie als Remis abbrrechen müsste. Aber da fand Matthias die Lösung: Sein Turm klemmte sich hinter den weiter vorgerückten Bauern, seinem Gegner blieb nichts anderes, als den anderen Bauern und den heroischen Turm zu vertilgen, aber der vorgerückte Bauern konnte sich unwiderstehlich zur Dame wandeln. Dame gegen Turm?? Ist das zwingend gewonnen? Matthias schien die Theorie aus dem ff zu beherrschen und nach ca. 10 Zügen war der Turm verloren! Super! 4 – 3

 

Felix´ Partie schien mir immer noch unübersichtlich, sein Gegner hatte auf beiden Flügeln einen Mehrbauern, am Königsflügel 2 – 1 , am Damenflügel 2 - 1 , aber da geschah für mich wundersames. Felix schaffte es, die Bauern am Königsflügel abzuräumen auf Kosten seines eigenen Springers, und den gegnerischen König dorthin abzulenken. Jetzt war die Sache klar. Felix konnte sich des Damenflügels annehmen und sein Gegner hatte nach dem Schlagen des Bauern am Königsflügels keine Zeit mehr zurück an den Damenflügel zu eilen, um den letzten dort verbliebenen Bauern noch aufzuhalten: 5 – 3

 

Das Ergebnis hört sich am Ende souverän an! Aber wie so oft war der Weg dorthin sehr steinig.

 

 

Bernd Helling