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2. Schnellschach-Grand-Prix

Während das Länderspiel Deutschland - Niederlande (2 : 4) in Hamburg stattfand, trafen sich 10 hochkarätige Schnellschachspieler beim SK Zehlendorf zur 2. GP-Runde. Auch ein Zuschauer (ich) war dabei und verstehen kann ich das nicht.

Während in Zehlendorf tolles Schach geboten wurde, ging der Fußball-Langweiler über die Bühne des Hamburger Volksparkstadions. Was macht den Fußball attraktiver als das Schach?

Fußball versteht jeder (na ja, meistens nur jeder Mann - obwohl sich das seit einigen Jahren ändert). Das ist etwas, was wir mit dem Fußball gemeinsam haben. Nahezu jeder Junge hat während seiner Kindheit Fußball gespielt. Hätte ich so viel Schach wie Fußball gespielt, wäre ich heute bestimmt Großmeister.

Jeden Tag ging es nach der Schule in die "Dell" und erst, wenn es schon ganz dunkel war, fanden wir den Weg nach Hause. Am Wochenende ging es schon vormittags los, manchmal unterbrochen durch den Kirchenbesuch während der Konfirmantenvorbereitung. Alles in allem standen etwa 30 Stunden Fußball ca. 4 Stunden Schach (am Freitagabend) gegenüber.

Klar, Fußball auf der Straße findet nicht mehr statt, aber dafür nimmt der eSport heute diese Rolle ein. Also - 30 Stunden Computerspiele gegen 4 Stunden Schach. Welche Schachkarrieren wären hier möglich, wenn es umgekehrt wäre.

Jetzt bin ich bald 70 und eines ist mir deutlich geworden: "Ich plädiere heute für Schach gegen Computerspiele - und Fußball darf, gemäßigt, auch sein."

Viele Eltern wollen heutzutage, dass ihre Kinder Schach spielen und vom Computer loskommen. Aber, so einfach ist das nicht, weil die Computerspiele durchaus eine sehr hohe Faszinität ausstrahlen und perfekt gestylt sind. ... und trotzdem, der Kampf geht weiter. Schach hat allerdings den Nachteil, dass man die phantastischen Nuancen des Spiels erst erkennt, wenn man sich intensiv damit beschäftigt hat. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten des Zuschauens beim Schach viel zu wenig ausgeschöpft werden.

Selbst Spiele der 1. Bundesliga, wo in der Regel Top-Spieler am Start sind, haben weniger (oder gar keine) Zuschauer als ein Kreisklassenspiel im Fußball. Sind Schachspieler Exzentriker, die sich nur für ihr eigenes Spiel interessieren? Ich denke, im Schach gibt es keine "Kultur des Zuschauens". Wer einmal bei einem Bundesligakampf unseres Klubs dabei war, wird wieder kommen und auf ein Fußball-Länderspiel "pfeifen".  Aber - wie bekommen wir das hin.

Jetzt will ich mich nicht beschweren, denn in aller Regel haben wir in Zehlendorf deutlich mehr Zuschauer als alle anderen Klubs der 2. Bundesliga (meist sogar der 1. Bundesliga) - und trotzdem, es sind viel zu wenige. Natürlich muss man (wegen der Schiedsrichter?) beim Schachspielen "mucksmäuschenstill" sein, während man bei Hertha den Gegner im Chor mit "Arschloch" begrüßen darf und trotzdem - verstehe das, wer will. Langeweile gegen Spannung pur und trotzdem laufen die Massen zum Fußballspiel. Selbst unser 3. VorsitzenderChristopher  ist stolz darauf, dass er schon 400 Fußballbundesligaspiele gesehen hat (meist waren es wohl Niederlagen "seiner" Mannschaft), während er bei den Spielen der SK Zehlendorf-Mannschaft als Zuschauer nur selten vertreten ist.

Vielleicht liegt es daran, dass wir keinen Eintritt nehmen, während die Spiele bei Hertha nicht gerade preiswert sind, obwohl sie eigentlich viel billiger sein müssten.

Meine Prognose: Hertha spielt im nächsten Jahr in der gleichen Klasse wie der SK Zehlendorf.

PS: Den Grand-Prix gewannen gemeinsam IM Atila Figura und FM Dirk Paulsen mit jeweils 4,5 aus 5 vor Thomas Heerde (3  P.).

Helmut Flöel