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„Altweiberfänge“ im Spreewald! oder Die wilde Jagd nach den goldenen Gurkenfässern!

Bericht über das XX. Mannschaftsschnellturnier des SV Lübbenau von FM Jürgen Brustkern

Prolog:

Nach dem wunderbaren Spätsommerwetter vor zwei Wochen (s. a. mein Bericht über Hoyerswerda) kündigte sich kurz vor dem kalendarischen Herbst erneut ein schönes Wochenende an. Eine Woche vor Turnierbeginn hatte sich auf meine Anfragen für Lübbenau nur Son als einziger Autofahrer gemeldet. Nach unzähligen Anrufen bzw. Mails sagte mir dann am Sonntag unser Neuzugang Erwin Weber zu.

 „Der vierte Mann“ fehlte und da an diesem Wochenende die Berliner Blitz- und Mannschaftsmeisterschaft ausgetragen wurde, sah ich uns schon als Musketiere in Lübbenau einmarschieren. In meiner Verzweiflung schrieb ich zu guter Letzt Atila an, der mir dann die Mobilnummer des „letzten Zehlendorfer Mohikaners“ vermittelte: es war Michael Große! Da der Potsdamer gerade Urlaub hatte, sagte er mir spontan zu, und wir waren endlich eine „vereinte“ Mannschaft.    

Lübbenau

Die Stadt Lübbenau liegt im nördlichen Teil des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz etwa 35 Kilometer westlich von Cottbus und etwa 50 Kilometer nördlich der Kreisstadt Senftenberg. Lübbenau wird als“ Tor zum Spree-wald“ bezeichnet. Wie in Hoyerswerda wird hier die sorbische Sprache gesprochen und gepflegt. Neben vielen Künstlern (hauptsächlich Malern) wuchsen hier zwei Spitzensportler auf: der DDR-Fußballnationalspieler Lothar Hause (* 1955) und die Leichtathletin Romy Müller (1958), die 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau mit der 4x 100 Staffel die Goldmedaille gewann. Der Sieger der zweiten RTL-Staffel  „Das Supertalent “ Michael Hirte (*1964)“- der Mann mit der Mundharmonika- gehört wie der bekannte Tagesschausprecher Jens Riewa (1963) zu den telegenen  Kindern Lübbenaus.

Turnierverlauf[J1] :

Der hiesige Schachverein SSG Lübbenau e.V. wurde am 23.11.2005 gegründet und ist Mitglied im Landesschachbund Brandenburg e. V. In leichter Abwandlung des bekanntes Mottos "Wohnen, wo andere Urlaub machen" heißt es auf der Webseite: „…unser Credo "Schach spielen, wo andere Urlaub machen!" Der sogenannte „Spreewaldpokal“ wurde von lokalen Schachspielern um dem rührigen Initiator Horst Schinagl erstmalig am 17.9.2000 ins Leben gerufen. Der in der Schachszene bekannte Sascha Sarre  ist ein wichtiges Bindeglied zur Hauptstadt, denn nach seinen Umzug nach L. machte er für dieses schöne Mannschaftsturnier viel Werbung in Berlin. Die Jubiläumsausgabe des “20. Spreewaldpokal“ war wegen diverser parallel stattfindenden Veranstaltungen in Berlin-Brandenburg heuer nicht so gut besetzt. Es fehlte sowohl der schon angemeldete Bundesligist SK König Tegel, sowie der Seriensieger VBSF Cottbus (8 Siege) und Pneumant Fürstenwalde (5 Siege). Zur großen Freude des Veranstalters trat eine Mannschaft der Partnerstadt “SV Erkenschwick“ an, und belegte mit Startlistenplatz 6 einen tollen 2. Platz! Ein ähnliches Motto wie das auf der Lübbenauer Webseite genannte, verfolgte auch unsere Truppe, die “nur Spaß haben wollte“ als Hauptparole ausgab!  Ich musste jedoch unweigerlich schmunzeln, als ich dann auf dem großen Screen, des geräumigen Gemeinschaftraums der Gaststätte „Landhaus Duben“ gewahr wurde, dass wir erneut an Nummer drei gesetzt waren. Diesen Startplatz hatten wir auch im Vorjahr und landeten tatsächlich auf dem dritten Platz! Nomen est Omen? Bis zur Mittagspause -der 4.Runde- belegten wir mit 6:2 Punkten den Bronzeplatz. Hierbei spielten wir gegen den späteren Sieger „Potsdam Mitte“ ein Unentschieden, in diesem um Kampf gelang mir ein spätere Revanche gegen den Potsdamer Kindertrainer:

1) Brustkern – C. Hein (siehe unten)

Nach der 45 minütigen Unterbrechung lief plötzlich nichts mehr zusammen: Zuerst verloren wir unseren einzigen Kampf gegen SG Weißensee knapp mit 1,5. Danach blieben wir mit drei hintereinander folgenden 2:2 sieglos. Erst in der letzten Runde gegen RAW Cottbus zeigten wir uns in einem dramatischen Kampf wieder von der Schokoladenseite:

Erwin, der mit einem Schlafdefizit angereist war, hatte nach anfänglich vier Punkteteilungen vier Ostereier gelegt. Aber in dieser wichtigen Schlussrunde war er wieder „hellwach“, und es gelang ihm eine Partie aus einem Guss! Er fegte seinen Gegner mit dem berühmten „Lasker-Opfer“- erst Lh7: nebst Lg7: - von der Platte! Son, knöpfte seinem verdutzten Gegner die Dame ab und es stand 2:0, Der sprach-talentierte Vietnamese erzielte im letzten Jahr am gleichen Brett 50% und war damit unzufrieden. Mit tollen 7/9 erzielte er heuer das beste Ergebnis, und freute sich darüber, “das er nicht nur gute Ideen hatte, sondern insgesamt viermal die gegnerische Dame fangen konnte!“  

Ihr Berichterstatter konnte vor dieser Runde mit 6,5/8 ebenfalls ein gutes Ergebnis vorweisen. Jedoch verlor er in einer sonst gut gespielten Partie im Mittelspiel den roten Faden, musste seine Queen abgeben und  gab sich kurz vor dem Matt geschlagen! Nun lag es an Michael, dem Kampf eine siegreiche Wendung zu geben. Er spielte zwar viele gute Partie, aber hatte mit der  Bedenkzeit aufgrund von Praxismangel seine Probleme. Es stand 2:1 für uns, aber er verdarb eine aussichtsreiche Stellung und fand sich in ein verlorenen Damenendspiel wieder. Als wir uns schon auf ein Unentschieden einstellten, überschritt der Gegner zwar die Zeit, aber da Michael auch die Zeit überschritten hatte, wurde Remis vereinbart!

Diese knappe Sieg reichte am Ende leider nur für den siebten Platz. Es hat uns trotz der Länge des Turniers wieder Spaß gemacht und wir beschlossen im Auto im nächsten Jahr den Siegerpokal nach Berlin zu holen! Die Weiße Dame erreichte erneut die “Punktlandung“ und konnte sich als Viertplatzierter wie in den Jahren zuvor, eines der zwei Gurkenfässer sichern (welches zur Weihnachtsfeier verköstigt werden darf). Bericht auf  www.sc-weisse-dame.de

Der Endstand:

1.Potsdam Mitte       16:2

2.SV Erkenschwick  14:4

3.SG Lübbenau         12:6

7.SK Zehlendorf        11:7   www.spreewald-schach-luebbenau.de

 

Verfasser: Jürgen Brustkern



 

[Event "XX Luebbenau"]
[Site "?"]
[Date "2019.09.21"]
[Round "2"]
[White "Brustkern, J."]
[Black "Hein, Carsten"]
[Result "1-0"]
[ECO "A21"]
[WhiteElo "2217"]
[BlackElo "2182"]
[Annotator "Bb4-c5"]
[PlyCount "53"]
[EventDate "2019.??.??"]
[EventType "match (rapid)"]
[SourceDate "2012.05.03"]
[SourceVersionDate "2012.05.03"]

1. c4 e5 2. Nc3 Bb4 3. Nd5 Bc5 {Hier gibt es verschiedene Läuferrückzüge.
Der Hauptzug besteht in Le7 womit ich u.a.gegen den Schwedischen GM Semcesen
gute Erfahrungen machte:} (3... Ba5 $5 4. b4 c6 {spielte der Ex-Vorsitzende
Thorsten Groß -beim Freitag den 13.-gegen mich} 5. bxa5 cxd5 6. cxd5 Nf6 7.
Bb2 d6 8. e4 Nxe4 $4 (8... O-O) 9. Qa4+ Bd7 10. Qxe4 f5 11. Qb4 {1-0 (11)
Brustkern, J (2287) -Groß, T (2153) We Da Freitag 13.2017 [Ba5/b4/c6 Va]}) (3...
Be7 4. d4 (4. e3 $5 c6 5. Nxe7 Qxe7 6. Nf3 d6 7. b3 Nf6 8. Bb2 Bg4 9. h3 Bxf3
10. Qxf3 Nbd7 11. Be2 O-O 12. O-O Rfe8 13. g4 Nf8 14. Qg3 Ng6 15. Bf3 Nd7 16.
Be4 Nc5 17. Bc2 Qh4 18. b4 Qxg3+ 19. fxg3 Na6 20. a3 Nc7 21. Rab1 Rad8 22. b5
c5 23. b6 axb6 24. Bc3 Na8 25. Be4 Rd7 26. a4 Ne7 27. a5 bxa5 28. Bxa5 b6 29.
Bxb6 Nxb6 30. Rxb6 g6 31. g5 $14 {1/2-1/2 (71) Brustkern, J (2245)-Woschech, A 
(2145) Bahn-BA 3, 5:2, 5 2017 [LP-NP+Festung!]}) 4... d6 5. e4 Nf6 6. Nxe7 Qxe7
7. f3 exd4 8. Qxd4 Nc6 9. Qc3 O-O 10. Ne2 Nh5 11. Bd2 a5 12. g4 Nf6 13. Ng3 Re8
14. h3 Qe5 15. Kf2 Nd7 16. b3 Nc5 17. Rd1 Nb4 18. a3 Nc6 19. Rb1 Bd7 20. Qe3
Ne6 21. Bc3 Qc5 22. Nf5 Qxa3 23. Be2 Qc5 24. Rhd1 f6 25. h4 Qxe3+ 26. Nxe3 Ne7
27. h5 Kf7 28. Rd2 Nc5 29. Bxa5 Rxa5 30. b4 Nxe4+ 31. fxe4 Re5 32. c5 $1 $13 {
1/2-1/2 (70) Brustkern, J (2241)-Semcesen, D (2490) V Västeras Open 2013 [Qc3
Versuch]}) 4. e3 {Wie die folgende Partie zeigt, dominiert nach dem
interessanten b4!? ebenfalls das weiße Läuferpaar} (4. b4 Bd4 5. Rb1 c6 6. e3
cxd5 7. exd4 d6 8. dxe5 dxe5 9. d4 e4 10. c5 Ne7 11. Ne2 O-O 12. Nc3 Nf5 13. b5
a6 14. a4 axb5 15. axb5 Be6 16. Be2 Nd7 17. O-O Qf6 18. c6 Nb6 19. cxb7 Ra7 20.
Bf4 Nxd4 21. b8=Q Rxb8 22. Bxb8 Ra3 23. Bc7 {1-0 (23) Nepomniachtchi, I (2729)
-Anand, V (2782) Riyadh KSA 2017}) 4... c6 5. d4 Be7 (5... cxd5 {sieht
merkwürdig aus, wobei GM am Ende die Oberhand behielt:} 6. dxc5 Qa5+ 7. Qd2
Qxc5 8. b4 Qe7 9. cxd5 Nf6 10. d6 Qe6 11. Ba3 O-O 12. Rc1 b6 13. Bc4 Qg4 14. f3
Qg6 15. Bb2 Nc6 16. b5 Na5 17. Bxe5 Nxc4 18. Rxc4 Re8 19. Bxf6 Qxf6 20. Ne2 a6
21. O-O axb5 22. Rf4 Qg5 23. Ng3 Re5 24. Ne4 Rd5 25. Qc3 Qe5 26. Qc7 Qe8 27.
Rc1 f5 28. Nf2 Qxe3 29. g3 Bb7 30. Kg2 Rd2 {0-1 (35) Wachinger, N (2318)
-Ovsejevitsch, S (2590) Lueneburg GER 2019}) 6. Nxe7 Qxe7 7. dxe5 Qxe5 8. Nf3
Qf6 9. Be2 Ne7 10. O-O O-O {[#]} 11. Rb1 {bereitet Lb2 vor, Weiß steht schon
bequemer} d5 12. b3 Bf5 13. Bb2 Qh6 (13... Qg6 $143 14. Nh4) 14. Rc1 dxc4 15.
bxc4 $1 {nimmt dem Springer das strategisch wichtige Feld d5} Na6 16. Ba3 Qf6
17. Nd4 Rad8 18. Qb3 Bc8 19. h3 {Weiß plant damit den Abtausch der
Weißfelder erzwingen, was den schwarzen Damenflügel schwächt} Rfe8 20. Rfd1
Ng6 $6 (20... Qg5) 21. Bg4 Bxg4 22. hxg4 Rb8 $2 {Dieser passive Zug kann nicht
gut sein} (22... Ne5 $142 23. Qxb7 Nxg4 24. Nf3 c5 25. Rd5 $14) 23. Nf5 b5 $2 {
nach Tb8 konsequent, aber der Potsdamer verliert nun Material:} 24. Bb2 Qg5 25.
Bxg7 Qxg4 $4 {Ähnlich wie bei den Partien von Son, waren an diesem Tag die
Lübbenauer "Weiber"häufig ungedeckt. ..} (25... Nc5 26. Qa3 $18) 26. Nh6+
Kxg7 27. Nxg4 1-0

Helmut Flöel