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”Scatman John statt Doris Day!?” oder” Ein Team das nicht zueinander findet!”

Sonderbericht von FM Jürgen Brustkern

 

Prolog:

Die Ausgangssitiationfür die drittletzte Runde der Landesliga war im Hinblick auf den Berliner Meistertitel klar vorgegeben. Nur durch einen Sieg gegen das kompakte Team aus Weißensse konnte Anschluss an das führende Team aus Spandau gehalten werden. Gesetzt den Fall, dass ”Zitadelle” unterwegs einen Punkt liegen lässt (bei einem Nachholspiel gegen das giftige Team von ”Mattnetz”), könnte es am 31. März zu einem Endspiel zwischen dem Klub des ehemaligen Berliner Schachpräsident Dr. Matthias Kribben und dem Klub seines Jugendrivalen FM Brustkern kommen!

Genau vor 40 Jahren kämpften beide um den Jugendtitel des ”Main-Taunus-Meister”, damals hatte der ”langer Brüter” deutlich die Nase vorn!

Es ging also um sehr viel und erfreulicherweise wurde statt der unerfreulichen Mails endlich mal das gute alte Telefon benutzt. Denn das Spiellokal der ”Chemiker” lag nicht nur Jwd, sondern der Spielort wurde im Juni 2018  leider auch verändert. Nachdem sich mit Dr. Matthias Budt am Mittwoch ein etamäßiger ”Ersatzspieler” als achter Mann bereit erklärt hatte mitzuspielen, hatten wir ”fast” die stärkste Aufstellung in dieser Saison versammelt.

Die Verteilung  der Spieler ”mit Auto” und ”ohne Auto” war  im Verhältniss vier zu vier als günstig einzuschätzen. Aber leider wohnen Matthias und Jochen Behrmann im Stadtrand von Berlin (Potsdam bzw. Spandau). Da Peter Rahls aufgrund gesundheitlicher Einschränkung keine Mannschaftsspieler mitnimmt, blieb somit als einziger Dr. Faris Kalabic - der in Schmargendorf wohnt - übrig um als Chauffeur zu dienen.

Die Organisation der Aktion ”Weißensee shuttle” hatte jedoch den m. E. positiven Nebeneffekt, dass einige Mannschaftskameraden mal miteinander telefonierten!

 

Orientierungsprobleme:

Aufgrund eines Kommunikationsproblems fuhr die einzige SKZ-Mitfahrgemeinschaft, - Kalabic, Klimm und ihr Berichterstatter - vom Walter-Schreiber-Platz verspätet am Sonntagmorgen in Richtung Pankow los. Da innerstädtisch viele neue 30er Zonen etabliert wurden, kamen wir natürlich am alten Spiellokal (Hansastrasse 190) zehn Minuten später als geplant an. Dort traffen wir einen völlig erschöpften Peter Rahls und einen Mann mit einem modernen Fahrrad.

Sind Sie auch Schachspieler??” fragte ihn der nervöse Wolf Dietrich Klimm.

Es war Thomas Heerde, der sich über solche Ansprachen nicht wundern sollte, denn er hat es bisher versäumt, vor dem Kämpfen seine Mitspieler zu grüßen, so dass er von vielen im Team unerkannt blieb!

Der Ex-Weisse-Dame-Spieler hatte das Abenteuer Weißensee mit dem Fahrrad auf sich genommen und war ebenfalls verzweifelt am Suchen.

Schlussendlich trafen wir mit 18minütiger Verspätung im neuen Spielort Hansastrasse 182 ein

und das Unglück nahm seinen Lauf ...

 

Wettkrämpfe:

Die Aufstellung des in der Jugendarbeit so erfolgreichen Vereins (”Jugendstützpunkt”), welcher von

2001 - 2008  das beliebte ”Unicorn Open” organisiert hatte, bedeutete eine dicke Überraschung:

Chemies bester Jugendspieler Moritz Gressmann sagte kurzfristig ab, so dass unsere ”Favoritenstellung” entgültig gefestigt schien.

Nachdem die Nachzügler mehr oder minder schnell ihr bewährtes Eröffnungsprogramm abspulten, brauchte ich doch sieben Minuten Bedenkzeit für den ersten Zug, um mich an die Schwachpunkte von Christian Lassan zu erinnern (Bauernführung und Abtauschprobleme).

Es entbrannten an allen Brettern heftige Grabenkämpfe und nach ca. zwei Stunden sah es sehr gut für uns aus:

Peter, mit 79 Jahren der Nestor im Team, überspielte mit leichter Hand den unkonventionell agierenden Poseck, ”Woddy” hatte gegen meinen Lieblings-Chemiker (4/4!) eine brettumfassendes Druckspiel aufgebaut, Atlia erreichte im ”Flohr-Caro-Kan” (Vorstoß c5) eine Traumstellung, in dem sein Läuferpaar optimalen Druck auf die hängenden Bauern e6/d6 ausübte und der Rest der Mannschaft stand m. E.  nirgendwo schlechter. 

Groß war dann der Schock, als Matthias nach knapp 3 Stunden aufgeben musste. Da ich selbst in eine schwierige Position geraten war, bekam ich davon leider nichts berichtenwertes mit, 0-1.

Ich wunderte mich nur, dass Mathias sofort nach Hause fuhr, denn der gebürtige NRW`ler ist für seine tadellose Mannschaftstreue bekannt und bleibt meistens bis zum Wettkampfende.

Ein schlechtes Omen!?

Jochen Behrmann wurde von dem taktischen Wirbelwind Jan Kinder kräftig in die Mangel genommen, konnte aber ins Dauerschach entfleuchen, 0,5: 1,5!

Da ich mit meiner Armbinde das erste Mal in Zeitnot geriet, bekam ich von dem unglaublichen Verlauf der Zeitnotphase nicht viel mit, links von mir - Atila - vernahm ich nur das Remisangebot unseres Kapitäns, darauf bot auch Wolf Dietrich die Punkteteilung an und da beide Angebote dankend angenommen wurden,  1,5:2,5  

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt beschloss ich auf Teufel komm raus auf Gewinn zu spielen und.die ”wilde Sau heraus zu lassen”:

 

1)                 Ch. Lassan – FM Jürgen Brustkern

 

Als sich nach der Zeitkontrolle der Pulverdampf verzogen hatte, sah ich die folgende Stellung von

Thomas Heerde:

2) Johann Eberlein - Th. Heerde

W: Kg2, Sa3, Ld3, Bc6, f4,g3,h2

S: Ke8, Tb3, Bd6,e5,f6,g6,h7

Thomas hatte gerade mit 41.-, Tb3 die beiden Leichtfiguren angegriffen und mit einem unguten Gefühl dachte ich mir sofort, ”Verdammt diese Stellung wird er wahrscheinlich am Donnerstag zum Training brauchen können!

Und tatsächlich nach 15 Minuten brüten, spielte der ”Linksspringerfreund”

42. La6!  Wonach der Freibauer nicht mehr aufzuhalten war! 2 :4

 Faris hielt zwar gegen den Topcsorer der Chemiker sein schwieriges Turmendspiel noch Remis, aber dafür vergurkte Peter seine vormals total gewonnene Position (Freibauer auf b7 gedeckt durch einen L!) zum Remis, spielte dann das todremisige Springerendspiel aus Ärger weiter und überzog am Ende noch.

Mit 2,5: 5,5 fuhren wir wie geprügelte Hunde zurück nach West-Berlin!

     

 

BSV 63 Chemie Weißensee

SK Zehlendorf 2

5,5 : 2,5

101

Andre Kunz

2112

201

Atila Gajo Figura

2308

½:½

103

Christian Laßan

2158

202

Jürgen Brustkern

2158

½:½

104

Stephan Schliebener

2076

205

Wolf-Dietrich Klimm

2210

½:½

105

Holger Niese

2065

206

Dr. Faris Kalabic

2211

½:½

106

Steffen Poseck

2014

207

Peter Rahls

2162

1:0

107

Jan Neldner

1959

208

Joachim Behrmann

2105

½:½

108

Johann Donath

2005

209

Dr. Matthias Budt

2158

1:0

201

Johann Eberlein

1944

214

Thomas Heerde

1988

1:0

 

 

 

Fazit:

Selbst der ”unbelehrbare” Weltmeister wird zugeben, dass dieses Weißenseeer Abenteuer ganz deutlich zeigt, wie wenig diese Mannschaft im Laufe der Saison zueinander gefunden hat.

Nachdem ich den jahrelang pausierenden Matthias im April 2018 wieder für Zehlendorf reaktivieren konnte, tut mir seine Entscheidung besonders weh:

Lieber Matthias, vielen Dank für Deine Teamengagement und Treue!

Ich werde Dich vermissen!

 

FM Brustkern

 

 

[Event "Chemie Weissensee-SKZII 5, 5:2, 5 "]
[Site "?"]
[Date "2019.02.17"]
[Round "7"]
[White "Lassan, c"]
[Black "Brustkern, J."]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "B00"]
[WhiteElo "2158"]
[BlackElo "2208"]
[Annotator "fm brustkern"]
[PlyCount "102"]
[EventDate "2019.??.??"]
[SourceDate "2012.05.03"]
[SourceVersionDate "2012.05.03"]

1. e4 g6 2. d4 Bg7 3. Nc3 Nc6 (3... d5) 4. Nf3 d6 5. h3 Nf6 6. Bg5 a6 7. a4 h6
8. Be3 {Diagramm [#]} d5 9. e5 Ne4 10. Bd3 Nxc3 11. bxc3 Na5 12. Qe2 Be6 13.
Nd2 c6 $6 {Remisangebot} (13... Qd7 14. f4 h5 15. Nf3) 14. O-O Qd7 (14... O-O
15. f4 Qd7 16. f5 Bxf5 17. Bxf5 gxf5 18. Qh5 {gefiel mir nicht}) 15. Rfb1 O-O
16. Rb6 h5 {die erste kritische Stellung, den als einziges Gegenspiel bot sich
nur c5 an:} (16... c5 17. dxc5 Bxe5 18. Bxh6 Bc7 (18... Bxc3 19. Rab1) 19. Bxg6
(19. Bxf8) 19... Bxb6 20. Qh5) 17. f4 $14 Rac8 18. Rab1 Rc7 19. Kh2 Bf5 (19...
c5 20. dxc5 Qxa4 21. Bxg6) 20. Rg1 e6 21. g4 hxg4 22. hxg4 Bxd3 23. Qxd3 {
Diagramm [#]} (23. cxd3 $5) 23... c5 $1 24. dxc5 Qxa4 25. Bd4 Re8 26. Nb3 $6 (
26. Nf3) 26... Nc4 27. Ra1 Qd7 28. Rb4 {Diagramm [#]} g5 $5 {die letzte
damenflügelorientierten Züge provozierten mich zu diesem Vorstoß, da zu
diesem Zeitpunkt der Mannschaftskampf eine schlechte Wendung für uns nahm, 
wollte ich weißes g5 verhindern und auf Gewinn spielen!} 29. Qg3 Qe7 30. Kg2
Rec8 {hier plante ich "ein" Qualitätsopfer auf c5, vergass in der Hitze des
Gefechts dabei, dass ich zwei opfern muss, um auf der c-Linie durchzukommen.
.} 31. Rh1 gxf4 (31... a5 32. Ra4 b5 33. cxb6 Nxb6 34. Bxb6 Rxc3 35. Qh2 Rxc2+
36. Bf2 {ergibt keine ausreichende Kompensation}) 32. Qxf4 a5 33. Ra4 {
Diagramm [#]} Rxc5 $5 {sehr gewagt, aber der großen Zeitnot meines jungen
Gegners geschuldet} 34. Nxc5 Rxc5 35. Bxc5 Qxc5 36. Re1 $8 Qc6 $6 {die für
mich typische"Farbenblindheit", stattdessen brachte der Gewinn des Be5 mehr
als Kompensation:} (36... Qc7 $142) 37. Raa1 d4+ 38. Qe4 Nxe5 (38... Ne3+ $142
39. Rxe3 {diesen einfachen Zug hatte ich schmerzmittelgeplagt übersehen!} dxe3 40.
Qxc6 bxc6 41. Rxa5 $18) 39. cxd4 Qxe4+ 40. Rxe4 Nc4 {danach schaute ich mir die
anderen Bretter an und kam nach meinen Rundgang wieder zurück ans Brett.
Wie"üblich" wollte ich in "totaler" Verluststellung zur Beruhigung und
positiver Aufhellung den Song von Doris Day "Que Sara Sara" -innerlich- singen
(diese Methode hatte ich mir erfolgreich in meiner Budapester Schachzeit
angeeignet, s. a. Dub-JB, Dezember 2002),  aber ich war wegen des negativen
Verlauf des Kampfes aggressiver gestimmt und beschloss von John Scatman "I am
Scatmann" zu summen ...} 41. Rd1 Nd6 42. Re3 b5 43. Kf3 a4 44. c3 Kf8 45. Re2
Ke7 46. Ra2 Kd7 47. Rb1 Kc6 48. Ke3 Bf8 49. Kd3 Be7 50. Re1 Nc4 51. Rf2 $4 {
und der Traum wird war! ski ba bop ba dop bop! Dem geschockten 30 Jährigen bot
ich sofort die Punkteteilung an, was er nach einigem Kopfschütteln auch
annahm.} (51. Rf1 f6 52. Rh1 $16) 51... Bh4 1/2-1/2 
Helmut Flöel